Publikationen
von 2005


 
2+1 = 31
Eine nicht ganz [kl]österliche Ostergeschichte


Hilfe, die Schweizer sterben aus! Unsere Geburtenrate sinkt in den Keller, bald weiss niemand mehr, wie die überalterte Gesellschaft ihre AHV-Lasten tragen soll. Doch nicht überall ist es um den Nachwuchs so traurig bestellt – schliesslich ist bald Ostern. 2 + 1 = 31. Zauberei? Fensterplatz im Mathi-Unterricht? Ein Fall von akuter Diskalkulie? Nein, nur eine furchtbar fruchtbare Leihvaterschaft. Aber schön der Reihe nach: sich des lautstark und ausdrücklich vorgebrachten Wunsches unserer drei Töchter erbarmend, hat Nachbar R. im letzten Frühling zwecks Nachwuchsförderung ein Prachtsexemplar von einem Rambo-Rammler vorbeigebracht. Die Girls tauften ihn Leo, den Löwen. Er ging sogleich ans Werk und hat Fläckli – das eine unserer beiden Weibchen – in Windeseile begattet. Während der einwöchigen, wohlverdienten Erholungsphase nach dieser anstrengenden Zeugung hat Leo dann aber auch noch Schnüfi, das zweite Weibchen, genetisch beglückt. Nach 4 Wochen warf Schnüfi 5 Junge (wovon eines starb, also noch 4), nach einer weiteren Woche Fläckli weitere 5. Da waren’s 11 – eine Steigerung der Hasenpopulation von mehr als 500%.

Der Nachbar, Altersheimleiter und Hobbyzüchter mit jahrelanger Zuchterfahrung, kam vorbei, um die Nachkommenschaft gewissenhaft auf das Geschlecht hin zu bestimmen. So aufgeteilt und sauber in Käfigen voneinander getrennt, wuchsen die jungen Kaninchen zu prächtigen Männdli und Wybli heran. Leider haben wir erst vor 6 Wochen entdeckt, dass einer der ER – der angeblich maskuline Pünktli – in Wirklichkeit eine SIE ist. Ein Irrtum mit Folgen. Vor 5 Wochen warf Pünktli 4 Junge, was wir aber erst 10 Minuten vor der Abreise in die Skiferien nach Laax bemerkten. Pünktli war Mitbewohner von Bif, sozusagen im gleichen Mehrfamilienkäfig, und Bif ist, kurz und bündig, maskulin. Da waren’s 15.

Letzte Woche haben sich die Ereignisse überschlagen. Am Dienstag wurde Fläckli zum zweiten Mal glückliche Mutter von 5 herzigen und gesunden jungen Häsli, was das Total auf 20 erhöhte. Diesen Vorsprung liess Schnüfi aber nicht lange auf sich sitzen, und so doppelte sie am Donnerstag mit einer weiteren, 4köpfigen Nachkommenschaft nach. 24 ist also immerhin eine Verzwölffachung der ursprünglichen Zahl – wahrlich eine inflationäre Proliferation.

Am Samstag nun hat Pünktli sage und schreibe weitere 7 Junge geworfen. Hasen, so scheint es, sind kreative Mathematiker, und
wenn wir richtig nachgezählt haben, sind es jetzt 31. In Worten: EINUNDDREISSIG! Man stelle sich vor, wenn der Dow Jones oder der SMI über Nacht um 1’550% steigen würde: ein umgekehrter globaler Börsen-Crash! Hasenzucht ist nichts für Angsthasen – die Folgen können fruchtbar sein.

John Wolf Brennan

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